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ARS UNA

Connecting Arts, Religion, Sciences - Alternative Philosophy of Development

A modern Middle Way in Institutions and Private Life (in English and German)

Gewobag bevorzugt stärkere Gewinnorientierung

statt sozialem Vorgehen

Die Berliner Wohnbau-Gesellschaft Gewobag hatte bis etwa vor einem Jahr ein deutlicher ausgeprägtes soziales Image als etwa vergleichsweise die konkurrierende Gesellschaft Deutsche Wohnen.

Letztere war sicher nicht ohne Grund zum Beispiel vom damaligen Chef der Jusos Kevin Kühnert angegriffen worden, der wegen ihrem mangelndem sozialen Verhalten zugunsten von reiner Gewinnorientierung erneut Verstaatlichung vorgeschlagen hatte.

Die Situation hat sich in diesem Aspekt verschärft durch den Berliner Mietendeckel, welcher in anderer Hinsicht Beruhigung gebracht hat. Ganz klar liegt die Front zwischen SPD und CDU. Durch diese Änderung fühlt sich auch die Gewobag deutlich mehr berechtigt, auf Gewinnmaximierung zu setzen, was eindeutig zu Lasten der Senioren geht, die von ihr bislang in sozialer Hinsicht besonders gut betreut wurden. Verständlicherweise trifft dies ärmere Senioren sehr viel stärker als finanziell besser gestellte. Doch vermutlich auf Druck der Aktionäre ist die Gewobag unerwartet fast brutal vorgegangen mit Kosteneinsparungen. In einem ersten Schritt wurde dem bisherigen Geschäftsführer Wolfram Tarras im Januar 2020 als neuer Geschäftsführer Peter Burgfried in einer Doppelspitze scheinbar gleichberechtigt, jedoch de facto als Vorgesetzter beigestellt. Tarras hatte in geradezu beispielhafter Weise soziale Unterstützung und persönlichen Kontakt zu den Bewohnern insbesondere in dem als Flaggschiff geltenden Wohnaktiv-Seniorenwohnhaus in Reinickendorf nahe der Grenze zu Tegel gepflegt. Am Ende des Jahres wurde er aus der Gewobag offensichtlich heraus gedrängt und Burgfried übernahm eine Alleinherrschaft, die seinem Namen nicht sehr gerecht zu werden scheint, In besagtem Wohnhaus wurde ebenfalls zu Jahresende die Koordinatorin für die ca. 150 Bewohner, welche ebenfalls hervorragende Arbeit geleistet und zu den Bewohnern ein gerade in der Coronakrise sehr notwendiges sehr fürsorgliches Verhältnis mit genauen Detailkenntnissen von krisenbedrohten Leuten hatte, mit nur einmonatiger Frist gekündigt. Die Verhältnisse bei der Einstellung einer wesentlich schlechter bezahlten neuen Kraft durch eine Fremdfirma erinnern deutlich an Subkontraktor-Zustände in der Fleischindustrie mit Werkvertragsbeschäftigten oder Leiharbeitnehmern.

Nach persönlicher Einschätzung mit der Außenseiter-Erfahrung eines modernen Nomaden, der lange Jahre in über zehn Städten in drei verschiedenen Kontinenten die jeweilige Sprache sprechend oder lernend grundverschiedene Lebenssituationen kennengelernt hat, scheinen die Verhältnisse wegen der 28-jährigen Isolation der Stadt und infolge Geheimdienst-Beobachtung nicht nur seitens der Stasi noch immer extrem neurotisch zu sein, insbesondere unter der einfachen Bevölkerung. Seit den vier Jahren in besagtem Parade-Wohnhaus bin ich nicht ein einziges Mal in ein anderes Apartment eingelassen oder gar eingeladen worden. Dass dies woanders als völliger Mangel von Gastfreundschaft interpretiert werden könnte, dieser Gedanke schien in dieser Zeit fast nie anderen Hausbewohnern in den Sinn zu kommen – ein Verhalten, dass in manchem anderen Land für unvorstellbar gehalten würde. Dass in einer solchen sich auch 30 Jahre nach dem Mauerfall, also schon vor der Pandemie existierenden Selbstisolation eine Koordinatorin mit Gespür für diese Situation und persönliche Empfindsamkeiten von besonderer Wichtigkeit sein dürfte, ist kaum anzuzweifeln. Doch solche Qualifikation entsteht nicht von heute auf morgen und bedarf durchaus spezieller Qualifikation. Ganz besonders gilt dies für Früherkennung von beginnender Dementia, damit Betroffene gegebenenfalls in die vorhandene Pflegeabteilung überführt werden können – auch dies ist durch die Pandemie stärker aktuell und problematisch ebenso für Pflegende. Es bedarf bei einer Koordinatorin längerer Erfahrung.

Burgfried hat sich in diesem Jahr nicht wie sein Vorgänger bei den Bewohnern sehen lassen oder etwa gar einen solchen gravierenden Schritt mit diesen erörtert, sondern in der Vorweihnachtszeit völlig überraschend gehandelt. Es besteht der Eindruck eines absolut rücksichtslosen Vorgehens zu Lasten insbesondere der schwächeren Senioren in dieser besonders schwierigen und für jene sehr gefährlichen Pandemie, aber auch der unvermutet arbeitslos gewordenen Koordinatorin. Mehrmals sind in gesagtem Paradehaus bereits Menschen, die zwar nicht durch die Pandemie verstorben waren, teilweise zwei Wochen tot in ihren Zimmern gelegen, ohne dass irgend jemand das bemerkt hat. Auch Fälle von psychisch belasteten Bewohnern sind besorgniserregend.

Gleichzeitig wurde Anfang Dezember der kleine Supermarkt, der die Bewohner dieses Hauses nachbarschaftlich gut versorgte, plötzlich geschlossen, was weniger mobile Senioren dort vor erhebliche Probleme stellte. Diese Schließung war zwar Folge der Erkrankung des Filialleiters, der gegen Jahresende auch leider verstarb. Doch das Geschäftslokal gehört der Gewobag. Wiederum hielt Burgfried eine Konsultation der Bewohner nicht für nötig. Auf eigene telefonische Rückfrage verweigerte die Gewobag sogar Auskunft darüber, wer für die Schließung die Verantwortung trage, welche durchaus auch bei der Gewobag lag. Nach eigener Einschätzung gab es im Geschäft mehrere versierte Personen, die den Laden vorübergehend hätten führen können, bis ein neuer Franchisenehmer gefunden wäre.

Die Frage einer stärkeren Mitbestimmung der Senioren müsste dringend angegangen werden, sowohl durch ein Gremium der Bewohner als auch im Aufsichtsrat einer solchen Wohnbau-Gesellschaft. In der Öffentlichkeit werden die Senioren oft vielleicht sogar bewusst irreführend nur als zu versorgende Pflegefälle dargestellt. Bei der Entscheidung über den Berliner Mietendeckel sind diese Fragen gewiss völlig unzureichend geklärt worden.

© H.J.Unsoeld Berlin 2021

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